Feedback und Beurteilung werden in vielen Unternehmen nahezu synonym verwendet. Es gibt jährliche „Feedbackgespräche“, standardisierte Bewertungsbögen und Noten für Leistung, Verhalten oder Motivation. Doch wer die Entwicklung junger Menschen fördern und tatsächlich eine Veränderung anstoßen möchte, sollte genauer hinsehen. Denn ein Feedbackgespräch in der Ausbildung verfolgt ein anderes Ziel als eine klassische Beurteilung.
Die Unternehmerin und Ausbildungsexpertin Felicia Ullrich macht deutlich: Beide Instrumente haben ihre Berechtigung. Problematisch wird es jedoch, wenn Unternehmen sie miteinander verwechseln. Während eine Beurteilung vor allem den aktuellen Leistungsstand dokumentiert, soll Feedback dabei helfen, Verhalten zu reflektieren und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Für Ausbilderinnen und Ausbilder ergibt sich daraus eine entscheidende Frage: Was möchte ich mit dem Gespräch erreichen?
Feedback und Beurteilung sind zwei unterschiedliche Instrumente
Eine Beurteilung beantwortet in erster Linie Fragen wie: Wo steht der Auszubildende aktuell? Wie hat er sich entwickelt? Welche Leistungen erfüllt er gut, und wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?
Gerade in der Ausbildung kann eine solche Standortbestimmung sinnvoll sein. Auszubildende möchten wissen, wie ihre Arbeit wahrgenommen wird, ob sie die Erwartungen erfüllen und wie sie im Vergleich zu vorherigen Ausbildungsabschnitten dastehen. Ein nachvollziehbarer Beurteilungsbogen kann Entwicklungen sichtbar machen und eine Grundlage für weitere Entscheidungen schaffen.
Eine Beurteilung bleibt jedoch ein Urteil. Eine Person bewertet die Leistung oder das Verhalten einer anderen. Damit entsteht automatisch eine hierarchische Situation. Selbst eine positive Bewertung kann beim Gegenüber Unsicherheit auslösen, weil Menschen nur selten vollkommen unbefangen damit umgehen, von anderen beurteilt zu werden.
Ein Feedbackgespräch in der Ausbildung hat dagegen eine andere Funktion. Es soll keine abschließende Note vergeben, sondern eine Entwicklung ermöglichen. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, wie gut oder schlecht ein Auszubildender ist, sondern welches konkrete Verhalten beobachtet wurde, welche Auswirkungen es hat und wie eine Veränderung gelingen kann.
Vor jedem Gespräch muss das Ziel feststehen
Viele schwierige Ausbildungsgespräche scheitern nicht an mangelnder Gesprächstechnik, sondern an einem unklaren Ziel. Wer...